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"Mit dem Himmelreich ist es wie …" – Die Gleichnisse Jesu

Gleichnisse spielen in der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu eine zentrale Rolle. Immer wieder greift er auf sie zurück, um seinen Zuhörern und Gesprächspartnern ethische Weisungen zu geben und vom Herannahen der Gottesherrschaft zu sprechen. Das Reden in Gleichnissen ist ein didaktischer Kniff Jesu. Er spricht in Bildern. Er trifft keine eindeutigen affirmativen Aussagen, nimmt keine dogmatische Belehrung vor. Vielmehr fordert er seine Zuhörer heraus. An ihnen ist es, die Bilder zu deuten, die teilweise irritierenden Vergleiche aufzulösen. Der Zuhörer ist somit Subjekt seines eigenen Verstehensprozesses, nicht Objekt einer Belehrung. Obwohl sie mit der Bildsprache, den Metaphern und der Lebensumwelt Jesu vertraut waren, war das Dechiffrieren der Gleichnisse schon für die Zeitgenossen Jesu keine leichte Aufgabe. Für heutige Leser bzw. Hörer stellt sich die Herausforderung des Verstehens aufgrund der kulturellen, historischen und sprachlichen Distanz in ganz anderer Weise. Die ihrem Wesen nach vage gleichnishafte Rede eignet sich in besonderer Weise, um vom Reich Gottes zu sprechen, das sich seinerseits einer präzisen begrifflichen Fassung entzieht. Darüber hinaus dienten die Gleichnisse Jesu dazu, ethische Fragestellungen zu thematisieren und theologische Aussagen über Gott zu treffen. Manche Gleichnisse, die eine implizite christologische Aussageintention haben, dürften sekundäre Hinzufügungen sein und ihren Ursprung im Redaktionsprozess der Evangelien haben. Die vorliegende Einheit, erschienen in RAAbits Religion, ist dem Themenfeld der Christologie zuzuordnen. Sie bettet sich in die Auseinandersetzung mit der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu. Zahlreiche Lehrpläne schreiben die Behandlung der Gleichnisse Jesu sowie den synoptischen Vergleich vor. Ebenso kann diese Reihe im Zusammenhang mit bibelkundlichen Themen Einsatz finden, da in ihr Aspekte der Welt und Umwelt des Neuen Testamentes sowie literarische Charakteristika der Evangelien behandelt werden. Im Rahmen dieser Einheit lernen die Schülerinnen und Schüler eine Reihe neutestamentlicher Gleichniserzählungen sowie deren Struktur und Charakteristika kennen. Informationen zum Entstehungskontext und der Gedankenwelt helfen, hermeneutische Techniken einzuüben. Die Lernenden erkennen, dass zwischen den Texten und uns Verständnisschwierigkeiten bestehen. Diese beruhen auf der zeitlichen und kulturellen Distanz. Deutlich wird, dass Kontextinformationen von zentraler Bedeutung sind, um den Sinngehalt (antiker) Texte zu erfassen. Die Jugendlichen führen einen synoptischen Vergleich durch. In dieser komparativen Perspektive erkennen sie die spezifischen Akzent- und Schwerpunktsetzungen der Evangelisten. In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Deutungshorizonten wird deutlich, dass die Herangehensweise und das Vorverständnis, mit dem man einen Text behandelt, maßgeblich dafür sind, was man aus diesem Text herausliest.